Thema des Monats Januar 2016:
Olivenöl

15.01.2016 | Text und Fotos: mv

Das Gold der Knorrigen Bäume

Olivenoel_Opener-Foto

Olivenöl. Ich liebe Olivenöl! Seine Farben. Goldgelb etwa. Oder smaragdgrün. Die herrlichen Geschmäcker. Nach frisch geschnittenem Gras. Nach wilden Kräutern. Blumen. Früchten. Zitrone. Feinen Mandeln. Grünen Bananen. Artischocken. Äpfeln. Dieses leichte Kratzen im Hals beim Probieren. Die toskanischen Olivenbauer nennen es treffend “pizzica la gola”. Für mich darf es ein “extra vergine” aus Italien, ein “vierge extra” aus Frankreich, ein “virgen extra” aus Spanien, ein “virgem extra” aus Portugal oder ein “extra virgin” aus Griechenland sein.
Unvergessen bleibt das Geschmackserlebnis eines noch trüb und grünlich aus dem Zentrifugenrohr tropfenden  “jungfräulichen” Öls, in das ich frisches Weißbrot hineintauchte und mir diese göttlich schmeckende  Kombination dann “auf der Zunge zergehen ließ.”

Probieren, probieren, probieren!
Mit Olivenöl ist es wie mit Wein. Wer herausfinden will, welche Sorten ihm am besten schmecken, darf nach Herzenslust tasten. Am besten mit guten Freunden zusammen. Besten Gaumenkitzel verspricht die Runde am Vormittag oder am späten Nachmittag. Die wichtigsten Regeln: Rauchen einstellen, Kaffee oder Süßigkeiten sind tabu. Störend ist auch  starkes Parfum.

Auf den Tisch gehören viele kleine Gläser. Zur Not gehen auch Glasschälchen. Unbedingt aber Leitungswasser oder kohlensäurearmes Mineralwasser. Dazu: kleine Apfelspalten, frisches Bauernbrot oder Toastscheiben, ohne Rinde. Und eine Auswahl bester Olivenöle natürlich.

Ins Glas kommt nur ein Esslöffel Öl. Das wird mit den Händen leicht angewärmt. Für einen “Nasen- bzw. Aromatest”. Also rein mit dem Näschen, zwei- oder dreimal tief einatmen ... Dann hat die Zunge ihren Auftritt. Ein halber Teelöffel reicht, um die Geschmacksknospen aufzuwecken. Jetzt mit einem hörbaren Zischen (Weinkenner schlürfen!) die Luft einziehen ... das Olivenöl freut sich so sehr über den Sauerstoff, dass es den vollen Geschmack gerne im gesamten Mundraum hergibt. Bevor es mit dem nächsten Olivenöl weitergeht, können die Geschmacksknospen mit Wasser oder Apfel neutralisiert werden. Der Spaß aber steigt mit jedem Durchgang weiter an. Garantiert!

Ein gesunder Spaß ist Olivenöl auch noch ...
... was schon die Griechen und die “ollen Römer” wussten. Die aus der Antike. Hängt mit der Ölsäure zusammen, die für sich einen Anteil von 70 bis 80 Prozent in Anspruch nimmt. Ist gut fürs Herz und den Kreislauf. Selbst für Babys! Denn DIE nehmen Ölsäure bereits über die Muttermilch auf. Was u.a. das kindliche Nervensystem auf Vordermann hält. Und bei uns Erwachsenen unterstützt es u.a. die Heilung bei der Tendenz zu Magen- und Verdauungsbeschwerden. Ist alles längst erwiesen und wissenschaftlich festgeklopft. Den antiken Griechen und Römern hätte man damit nichts Neues erzählen können!

Olivenoel_Tasting
Oliven_gemischt

Anspruchsverhalten contra Realität
Die Qualität des Olivenöls hängt von zahlreichen Faktoren ab. Da wäre einmal der richtige Zeitpunkt der Ernte zu nennen, der in Abhängigkeit von den klimatischen Bedingungen steht. Erfahrene Olivenbauern wissen auf den Tag genau wann sie mit der Ernte beginnen müssen. Besonders wichtig sind unversehrte Oliven. Nur solche Früchte garantieren die später gewünschten Geschmacks- richtungen. Die handverlesene Ernte ist personalintensiv, zeit- raubend und anstrengend, gute Pflücker schaffen stündlich etwa zehn Kilogramm vom Baum zu holen. Logisch, dass sich diese Erntebedingungen später in den Preisen ebenso wiederfinden wie die Weiterverarbeitung in der Ölmühle, Abfüllung, Marketing usw. Was mich persönlich bei der Beurteilung der Qualität gar nicht beeindruckt, sind durchweg elegant geschliffene Designer-Flaschen in Verbindung mit entsprechend angepassten Verpackungen.

Oftmals aber sieht die Realität beim Thema Olivenöl für uns Verbraucher ziemlich düster aus. Zwar hat die EU in Brüssel exakte Qualitätsbestimmungen nach bester Beamtenmentalität erarbeitet.  Und doch muss sich die Branche mit Intrigen, Skandalen und Mauscheleien auseinandersetzen. Akteure und Profiteure sind, man

muss es fast nicht erwähnen, die Unternehmen und Konzerne mit ihren weiter stark wachsenden Marktanteilen. Ihr Credo ist einfach: Menge vor Qualität, Umsatzrenditen vor Transparenz. Da laufen die Forderungen der Lebensmittelkontrolleure oder Food-Aktivisten meist ins Leere. Und der Verbraucher zieht einmal mehr den Kürzeren!? Wie so oft aber hätten wir es mit dem Kaufverhalten “in der Hand” etwas an den Tatsachen zu ändern. Allein` - mir fehlt der Glaube, das eigene Portemonnaie steht Appellen allzu oft im Wege.

Ende Teil 1 / Fortsetzung folgt

Kommentare sind natürlich willkommen!

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